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Kunst & Kultur

Quer durch die Kunsthalle Mannheim

Vor nicht ganz zwei Wochen hatte ich endlich einmal Gelegenheit die Kunsthalle Mannheim zu besuchen. Nicht nur von aussen, endlich auch einmal von innen. So rein äusserlich betrachtet ist sie schon ein richtiges Jugendstilschmuckstück… das wird jedoch noch durch ihre Inneren Werte und die vielen Facetten Ihrer Persönlichkeit übertroffen. Gerade gibt es drei ganz verschiedene Ausstellungen zu sehen. Jede für sich wunderschön und einen Besuch wert. Auf dem Programm standen: „Der kühle Blick. Graphik der neuen Sachlichkeit“, dann Werke von Alicia Kwade  und schliesslich noch „Arche. Die Sammlung kehrt zurück.“ Wie immer habe ich oben im Slider völlig subjektiv einige Sachen festgehalten die mir besonders gefallen haben, die mich besonders gepackt haben. (Ich habe die Bilder oben im Slider hinterlegt. Einfach durchklicken oder darüberwischen!)

Der kühle Blick… ja den hat „Die Frau in der Eisenbahn“ im Holzklasse-Abteil… mit Ihrem fein gezeichneten Pelzkragen, dem hübschen Gesicht, dem abgewandten Blick und den irgendwie seltsam wirkenden, knöchrigen Fingern, die sie im Mantel und Kragen verbirgt. Oder die furchtlos, mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehende Schwimmerin von Köln mit ihrer orangen Badekappe. So ein richtiges Mannsweib, dass sich möglicherweise von einer gerade nagelneu erbauten Eisenbahnbrücke in die Fluten des Rheins stürzen wird. Vielleicht trainiert Sie gerade für Olympia? Und das weiß auf schwarz haarscharf gestochene Chamäleon, daß gleich die nächste Fliege aus der Luft schnappt. Ja, die neue Sachlichkeit gefällt mir. Die Ausstellung ist noch zu sehen bis 6.9.2015.

Weiter mit Alicia Kwade, Jahrgang 1979, die in diesem Jahr den alle drei Jahre ausgelobten Hectorpreis der Kunsthalle Mannheim und der H.W. & J. Hector Stiftung erhält. Sie macht die vor Ihrer Wohnung gefundenen wertlosen Steine zu funkelnden „Bordsteinjuwelen“ in dem diese wie Edelsteine geschliffen werden. Die Kiesel funkeln nun facettenreich, grossflächig verteilt auf dem Boden der Kunsthalle. Was mag so ein Kieseljuwel nun wohl wert sein?

Auch grossartig: Die Story hinter ihrem Werk Nissan (Parallelwelt 1+ 2). Erstmal denkt man: Zwei zerbeulte Nissans. Was ist daran Kunst. Dann stellt man bei näherer Betrachtung fest, dass sich jede Beule, jeder einzelne Kratzer, jeder Rostfleck spiegelverkehrt auch auf dem jeweils anderen Auto befindet. Bei einem ist das Lenkrad links, beim anderen rechts. Selbst das Nummernschild wurde berücksichtigt. Total verrückt. Man stelle sich vor, wie jemand vor zwei Autos steht um diese akribisch genau an bestimmten Stellen kaputt haut, Schrammen und alle möglichen Arten von Beschädigungen darauf hinterlässt. Kwades Freund hatte ursprünglich eine Delle in den Kotflügel seines Wagens gefahren. Sie kaufte sich dann das gleiche Modell – allerdings mit englischem Rechtslenker – und bearbeitete es entsprechend. Schliesslich fuhren beide jahrelang so mit Ihren Autos so durch die Stadt. Mal ehrlich: Das muss Liebe sein… Damit sich der andere nicht mehr so schlecht fühlt, kauft man sich das gleiche Auto, haut Beulen rein und kauft Ihm dann womöglich vom Verkaufserlös des Kunstwerkes ein chices neues Auto… vielleicht hat sie es aber doch für sich behalten? Man weiss es nicht. Alicja Kwade gibt es noch bis 6.9.2015 zu sehen.

Weiter zum ersten Stock der Kunsthalle: Hier gibt es in „Arche. Die Sammlung kehrt zurück“ allerlei Schätze aus der Sammlung der Kunsthalle zu sehen. Hier findet man besonders schön in St.Petersburger Hängung hindrapierte Kunst-Schätzchen. Mir haben es spontan die Werke von Ferdinand Hodler angetan, ebenso ein grosser Schinken von Hans Adolf Bühler („Dem unbekannten Gott“), die Industrieromantik eines Stahlwerks von Eugen Prosper Bracht und auch das „Mädchen mit Hut“ versprühte Ihren Charme bei mir. Ich mag ja Hüte. In einer unscheinbaren Ecke hängt ein van Gogh. Das ist Understatement. In Mannheim wird nicht viel Aufsehen gemacht. Gefällt mir. Ebenso, dass es hier alles andere als überlaufen ist. Kühl noch dazu. Sehr entspannend. Kunst Wellness. Absolut empfehlenswert!

Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
D-68165 Mannheim
www.kunsthalle-mannheim.de

Öffnungszeiten
Dienstag, Donnerstag bis Sonntag und Feiertage 11 bis 18 Uhr
Mittwoch 11 bis 20 Uhr
Montag geschlossen

Karl Hubbuch, Die Schwimmerin von Köln, 1924/25, Lithokreide, Aquarell

Karl Hubbuch, Die Schwimmerin von Köln, 1924/25, Lithokreide, Aquarell

Karl Heinz Wulf, Chamäleon, 2.2.1937, Steinstich, Kunsthalle Mannheim

Karl Heinz Wulf, Chamäleon, 2.2.1937, Steinstich, Kunsthalle Mannheim

Alicja Kwade, Bordsteinjuwelen 2008/2010

Alicja Kwade, Bordsteinjuwelen 2008/2010

Alicja Kwade, Nissan (Parallelwelt 1+2), 2009

Alicja Kwade, Nissan (Parallelwelt 1+2), 2009

Kunsthalle Manhheim

Kunsthalle Manhheim

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Eugen Felix Prosper Bracht, Hoeschstahlwerk, Dortmund, Mittagspause, 1906

Eugen Felix Prosper Bracht, Hoeschstahlwerk, Dortmund, Mittagspause, 1906

IMG_1608 Kunsthalle Mannheim

Hans Adolf Bühler, Dem unbekannten Gott, 1906

Hans Adolf Bühler, Dem unbekannten Gott, 1906

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Ferdinand Hodler, Thunersee mit Stockhornkette, 1910

Ferdinand Hodler, Thunersee mit Stockhornkette, 1910

Ferdinand Hodler, Schnee im Engadin, um 1907

Ferdinand Hodler, Schnee im Engadin, um 1907

Helene von der Leyen, Mädchen mit Hut, 1906

Helene von der Leyen, Mädchen mit Hut, 1906

Ferdinand Hodler, Das Lied aus der Ferne, 1906

Ferdinand Hodler, Das Lied aus der Ferne, 1906

Vor der Kunsthalle Manhheim

Vor der Kunsthalle Manhheim

  • Reply
    Susanne aus Mannheim
    13. August 2015 at 13:35

    Toll geschrieben! Sehr unterhaltsam : ) Macht mir wirklich Lust mir das einmal anzuschauen.
    Viele liebe Grüße von Susanne

  • Reply
    Hannes
    13. August 2015 at 13:33

    Hey, erstmal ein riesen Kompliment für Deinen schönen Blog, den ich gerade entdeckt habe. Kein Hausfrauenkram und Basteltipps, stattdessen Kunst und Restauranttipps. Suuper!

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