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#Galeriebesuch: Kunst von Anne Janoschka in der Städtischen Galerie Villa Streccius Landau

Anne Janoschka, Erinneriung 1

In Landau war ich noch nie. Bis zum vorletzten Sonntag jedenfalls. Da führte mich die Ausstellung „Vom Verschwinden und Bewahren – Strukturen des Privaten“ mit Malerei, Objekten und Grafik von Anne Janoschka und Sandra Heinz in der Städtischen Galerie Streccius in diese hübsche Stadt in der Südpfalz. Leider ist die Ausstellung inzwischen schon seit dem 29.11. 2015 beendet.

Entdeckte habe ich die Malerei der in Offenbach an der Queich (Pfalz) lebenden Künstlerin Anne Janoschka einige Tage zuvor über ihre Facebook-Seite und war total fasziniert von Ihren Werken. Da musste ich hin. Meine private Kunst-Sammel-Leidenschaft gilt bisher der deutschen Gegenwarts-Malerei, daher berichte ich an dieser Stelle nicht von den ebenfalls sehr interessanten Werken von Sandra Heinz.

Hier beim #Galeriebesuch werden ziemlich subjektiv meine Lieblingswerke der jeweiligen Ausstellung gezeigt.
Am meisten in seinen Bann gezogen haben mich wohl die drei aktuellsten Werke von Anne Janoschka. Erinnerung 1, 2 und 3 von 2015. Sie gehen mir auch fast zwei Wochen später nicht aus dem Kopf. Sie haben eine ganz eigentümliche, intime Stimmung, die auf den ersten Blick alten Familienphotos aus den 1960er Jahren ähnelt. Aber da ist noch mehr. Der faltige, strukturelle Untergrund, z.B. im Grau der Mauer im Hintergrund oder auf dem Gehweg beim Bild unten, tritt gleichzeitig hervor an die Oberfläche. Kategorien wie Vorder- und Hintergrund geraten durcheinander und erzeugen eine starke Spannung. Man wird beim näheren Betrachten fast hineingesogen. Und bei mir bleibt die Frage. Wer erinnert sich hier eigentlich? Das damalige Kind? Die Mutter? jemand anderes?

Anne Janoschka Kunst 2015
Anne Janosch, Erinnerung 3, 2015, Acryl/Leinwand, 150×120 cm

Anne Janoschka Kunst 2015
Bildaussschnitt, Erinnerung 3

Anne Janoschka Kunst 2015
links: Anne Janoschka, Erinnerung 1, 2015, Acryl Leinwand, 150×120 cm, rechts: Anne Janoschka, Erinnerung 2, 2015, Acryl Leinwand, 150×120 cm

Mein Lieblingsbild dieser Ausstellung ist „Erinnerung 1“ (oben links im Bild). Hier faszinieren einerseits die sehr genauen Details des Stoffmusters, wie es sich in den Falten bricht und andererseits die Unschärfe des sanften Kindergesichts. Ob es sich nun um eine Decke oder ein Kleid handelt konnte ich für mich noch nicht auflösen. Eine unwahrscheinlich schöne Stimmung. Könnte ich ewig anschauen.

Ebenfalls toll: Die hyperrealistische Malweise der Akelei von 2013. Hier ist jedes kleine Härchen, jeder Flaum am Blatt, jede noch so kleine Musterung oder Ader dieser riesigen Blüte zu sehen. Alles vor einem ornamentalen Hintergrund, der mich an die Rote Samtvelours Tapetete im Flur meiner Grosseltern aus den 80ern erinnert.

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Anne Janoschka, Bildausschnitt Akelei, 2013, Acryl/Leinwand, 120x100cm

Ein Faible für Oberflächen, die Brechungen von ornamentale Mustern von Vorhängen und Tapeten sowie den perfekten Faltenwurf demonstriert Anne Janoschka auch in vielen ihrer anderen Werke.

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oben links: Bei Isabelle, Acryl auf Leinwand, 100x140cm,2014 oben rechts: Tempus fugit, Acryl auf Leinwand, 100x140cm, 2014

Bei „Tempus Fugit“ habe ich erst nach mehren Anläufen  die fast vollständig verblichenen Umrisse eines Herren mit Bart und einem angedeuteten Anzug mit Fliege im runden Bilderrahmen entdeckt. Zu sehr lenkte mich zunächst das Muster der Tapete von ihm ab. Womöglich ist mit der vergangenen Zeit auch die Erinnerung an Ihn verblasst? Das ist das spannende für mich (auch am Leben) mit der Kunst. Man entdeckt immer wieder etwas Neues.
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Bildauschnitt aus „Bei Isabelle“
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oben: Kammerstück, 2011, Acryl/Leinwand, 50x70cm
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oben: Backstage, 2011, Acryl/Leinwand 50x70cm;  unten: Refugium, 2015, Rauminstallation, unverkäuflich

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Die Werke der Osteuropa-Serie, die Einblicke in private Küchen in Bukarest oder ukrainisch-moldawische Bahnabteile und Schlafwagen gewähren, erinnern mich wieder an meinen schon jahrelang bestehenden Plan einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking zu fahren. Danke für den Reminder Anne Janoschka!

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Abteil (Ukraine), 2012, Acryl/Leinwand, 100x140cm; unten: Die Schläfer (Moldawien), 2012, Acryl/Leinwand, 150x120cm, in Privatbesitz

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Preise: Die hier abgebildeten Arbeiten von Anne Janosch lagen zwischen 4800 und 1400 EURO.

Vita: 1981-1988 Studium der Bildenden Kunst, Kunstgeschichte und Germanistik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 1999-2015 Malerei und Objektkunst; seit 2002 Mitglied des BBK Rheinland-Pfalz. 2010 Nominierung zum Pfalzpreis für Bildende Kunst – Hauptpreis. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, sowie Messe-Beteiligungen, Werke in öffentlichen und privaten Sammlungen.

Die Homepage von Anne Janoschka besuchen: www.annejanoschka.de

Anne Janoschka auf Facebook folgen: https://www.facebook.com/annejanoschkakunst/

Die Villa Streccius in Landau/ Pfalz besuchen:

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4 Comments

  • Reply Carolin 28. Februar 2016 at 09:48

    Wow! Wahnsinnig tolle Malereien! Wir sind auch ein bisschen schockverliebt in die Künstlerin. Danke für die Inspiration!

  • Reply Klaus 7. Dezember 2015 at 12:05

    Landau ist immer einen Ausflug wert! Hervorragende Bilder. Toller Bericht.
    Danke!

  • Reply Marie 4. Dezember 2015 at 21:34

    Liebe Antje,

    ein sehr schöner Bericht. Die Bilder sind großartig!

    LG
    M.

  • Reply Sophie 4. Dezember 2015 at 20:54

    Da hast Du ja wieder was tolles aufgetan! Gefällt mir sehr… auch schön geschrieben. Mir gefällt, wie du mit der Kunst interagierst.

    Liebste Grüsse
    Sophie

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